Joseph Haydn, Missa brevis in F-Dur, Hob. XXII:1

Joseph Haydn komponierte diese Missa brevis in F. a due Soprani kurz nach seiner Entlassung aus der Domkapelle des Stephansdoms.

1732 als ältester von 20 Geschwistern geboren, konnte er damals nach dem Stimmbruch keine Unterstützung von seiner Famile für eine musikalische Weiterbildung erwarten – auch wenn seine Begabung überaus karriereträchtig war, und er einer „Sopranisierung“ nur dank eines energischen Eingreifens seines Vaters Matthias entging. Sein Zeitgenosse und Biograph Georg August Griesinger schreibt:


Er bezog in Wien ein armseliges Dachstübchen ohne Ofen, worin er kaum gegen den Regen geschützt war. Unbekannt mit den Annehmlichkeiten des Lebens war seine ganze Zeit zwischen Lektiongeben, dem Studium seiner Kunst, und praktischer Musik getheilt. Er spielte bey Nachtmusiken und in den Orchestern ums Geld mit, und er übte sich fleißig an der Komposition, denn „wenn ich an meinem alten, von Würmern zerfressenen Klavier saß, beneidete ich keinen König um sein Glück.“

Er hatte auch sonst Glück, denn das Haus, in welchem er wohnte, beherbergte auch den bei Hof beliebten Dichter Pietro Metastasio, über welchen er weitere Kontakte in das musikalische Wien knüpfen konnte, nicht ganz ohne zwischenmenschliche Probleme, Haydn selbst beschreibt dies seinem Biographen:


„Da fehlte es nicht an Asino, Coglione, Birbante und Rippenstößen; aber ich ließ mir alles gefallen, denn ich profitirte bey Porpora [ein etablierter Kapellmeister] im Gesange, in der Komposition und in der italienischen Sprache sehr viel.“

Daher entstand diese Messe als eine der vielen Gelegenheiten, sich mit seinem Talent seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser seiner erste Messe gab der Musikwissenschaftler Anthony van Hoboken die Nummer XXII:1. Sie war für die normalen Sonntagsgottesdienste konzipiert, konnte aber auch bei Gelegenheit auch unter der Woche gesungen werden. Erst 18 Jahre später entstand seine zweite Messe, welche lange Zeit als verschollen galt, die großen Messen Haydns sind Alterswerke, welche dann als Vertiefung seines Hauptschaffens in der Instrumentalmusik gedeutet werden können.

Interessanterweise war diese Messe für Joseph Haydn im Jahre 1805 selbst eine „Wiederentdeckung“, die er dann entzückt neu instrumentierte.

Erst 1951 wurde dieses Stück in moderner Zeit wieder einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In einer neuen Edition des Verlags Carus eröffnete sie die Reihe von Haydns 12 erhaltenen Messen. Das Manuskript befindet sich in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.



„Überhaupt war seine Andacht nicht von der düstern, immer büßenden Art, sondern heiter, ausgesöhnt, vertrauend, und in diesem Charakter ist auch seine Kirchenmusik geschrieben.“ – Georg August Griesinger


„Eine arglose Schalkheit, oder was die Briten Humour nennen, war ein Hauptzug in Haydns Charakter.“ – Georg August Griesinger


„Was mir an diesem Werkchen besonders gefällt, ist die Melodie und ein gewisses jugendliches Feuer…“ – Joseph Haydn

di me giuseppe Haydn


Es gibt zwei Aufnahmen des Stücks:

Chandos, CHAN 0640
Aufnahme von 1998 mit dem Collegium Musicum 90 unter Leitung von Richard Hickox
Deutsche Harmonia Mundi, DHM 77 540
Augsburger Domsingknaben unter Reinhard Kammler mit einem Verriß bei Amazon [Diese Firma unterstützt vorbildlich unser Sozialsystem, daher ist ein lokaler Händler allemal besser], bei klassik.sonymusic.de – ehemals deutsche harmonia mundi – gibt es sie nicht mehr.

Wir singen diese Messe in St. Stephan zum Patrozinium im September 2012. Wenn Ihnen diese Beschreibung Lust auf eine Entdeckung gemacht hat, und Ihnen das Vergnügen nicht zu kurz ist – nur 14 Minuten lang –, sind Sie herzlich zum Mitsingen eingeladen!

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